Das Herodes-Grab
Deutsche und Franzosen erwiesen Herodes
vor 2011 Jahren das letzte Geleit
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 10. Mai
2007

"Die Wut der Aufständischen gegen
König Herodes konnten wir richtig spüren", sagt
Roi Porat, israelischer Archäologe, der als erster
verstanden hatte, dass er die Bruchstücke des
Sarkophags von König Herodes in der Hand hielt. Es war
rötlicher Sandstein mit sauberer Steinmetzarbeit.
(Bild: Deutlich
erkennbare Hammereinschläge am Sockel des
Sarkophags)
"Wir sahen die Spuren der
Hammerschläge, mit denen mutwillig das prächtige
Grabmal in tausend Stücke zerschlagen wurde",
erzählt der Wissenschaftler, während er am Abhang des
künstlich von Herodes aufgeschütteten Hügels auf
einem halbwegs ausgegrabenen "Podium" steht.
Dort habe einst der steinerne Sarg des "Königs der
Juden" aus der Zeit zwischen 47 und 4 vor Chr. in
einem Prunkbau gestanden.
In den Hügel hineingebaut und
zu dessen Füßen wurden schon vor Jahrzehnten mehrere
Paläste, hängende Gärten mit extra herbeigebrachter
fruchtbarer Erde, Wasserspiele und Säulengänge
aufgegraben. Eine so üppige Palastanlage sucht
ihresgleichen in der römischen Welt um die Zeitenwende.
Während Soldaten einer Panzerkompanie,
die im vergangenen Sommer im Libanon gekämpft hatte,
den Journalisten-Ansturm aus aller Welt bewachte und an
die Presseleute in Plastikbechern Wasser austeilte,
machte ein
Reporter vor der Fernsehkamera immer wieder
seinen Aufsager, bis er perfekt saß: "König
Herodes war nicht nur einer der großen Bauherren der
Antike, der König der Juden war auch bekannt für seine
Grausamkeit."
"Wir haben von dem zertrümmerten
Sarkophag inzwischen genügend Einzelteile, um ihn
wieder zusammenzusetzen und werden sicherlich noch mehr
Stücke finden", fährt Porat fort und zeigt auf
fein säuberlich geschnitzte Kalksteine eines
"Podiums", auf dem das Mausoleum gestanden
habe.
Davon sind noch Rundbögen und steinerne Urnen
erhalten. Solche Urnen schmücken in der Nabatäerstadt
Petra im Süden Jordaniens die Dachgesimse der den Fels
geschlagenen Grabmonumente.
Der sensationelle Fund des Sarkophags
von König Herodes dem Großen, einer der berühmtesten
Figuren der Menschheitsgeschichte, wurde zuvor im
Beisein von über hundert Journalisten aus aller Welt
von Professor Ehud Netzer im Rahmen einer
Pressekonferenz vorgestellt.
Seit 75 Jahren gräbt er
auf den Spuren des Herodes. Er entdeckte den Palast des
Königs in Jericho und buddelte immer wieder auf dem
Herodion. Trotz genauer Beschreibung des Begräbniszuges
"des in diesen Tagen vor genau 2011 Jahren in
Jericho verstorbenen und auf dem Herodion begrabenen
Königs", blieb die Lage des Mausoleums ein
Geheimnis. Der römisch-jüdische Historiker Josefus
Flavius hatte eine genaue Beschreibung des
Begräbniszuges überliefert.
Josefus erzählt, wie die Leiche des
nach langer Krankheit verstorbenen Königs von Jericho
zum Herodion gebracht wurde. Mit goldener Krone auf dem
Haupt, dem Szepter in der Hand, auf einer rein goldenen
Prunkbahre wurde die Leiche des Herodes durch ein
Spalier von Soldaten aus Thrakien (Balkan, Griechenland
und Türkei), Germanien (Deutschland) und Gallien
(Frankreich) getragen.
Die Rampe, 300 Meter lang und 30
Meter breit, ist heute noch erhalten und führte zu
einer monumentalen Treppe, die hinauf zu den Palästen
auf dem Herodion-Berg führten. Genau auf halber Höhe
befand sich das jetzt wiederentdeckte Podium mit dem
Mausoleum, wo die Archäologen nun auch die mit
Hammerschlägen zertrümmerten Reste des majestätischen
Sarkophags entdeckten.
Netzer verwarf die Theorien früherer
Archäologen, die glaubten, dass Herodes in dem
mächtigen, sieben Stockwerke hohen, aber versiegelten
Rundturm auf dem Hügel begraben sei. "Ein Jude
lässt sich nicht in einem Wohngebäude oder in einem
bewohnten Palast begraben", argumentierte Netzer
und ging weiter auf die Suche. Er sah am Ende der
künstlichen Rampe ein monumentales Gebäude und am
anderen Ende eine breite Treppe, die zu den Palästen
auf dem Hügel hinaufführte. Auf halber Strecke
entdeckte er am Abhang eine mit Stützmauern versperrte
Zisterne und andere archäologische Zeichen, um erneut
den Spaten anzusetzen.
Als Roi Porat ihn vor drei Wochen
alarmierte, wegen der Bruchstücke des mutmaßlichen
Sarkophags, ahnte Netzer, dass er sein Lebenswerk
vollendet hatte. "In Jerusalem gibt es nur einen
oder zwei vergleichbare Sarkophage aus der Zeit. Einen
fand man im "Grab der Könige". Für uns
besteht kein Zweifel, dass wir das Grab des Herodes
gefunden haben, zumal bekannt ist, dass er auf dem
Herodion begraben wurde."
Netzer konnte anhand von
Münzfunden, architektonischen Besonderheiten und
aufgrund der Steinmetzarbeiten feststellen, dass die
Funde exakt in die Zeit jenes Königs passen, der auch
die Festung auf Massada und den Hafen von Caesarea
errichtet hat und in dessen Regierungszeit die Geburt
Jesu im benachbarten Bethlehem fiel.
In den Trümmern des Herodesgrabes
liefert Roi Porat noch Einzelheiten zum Ende des
Mausoleums. Im Jahr 70 kämpften die Römer den ersten
großen jüdischen Aufstand in Jerusalem nieder und
zerstörten den Tempel des Herodes. Damals befand sich
die Verwaltungszentrale des Landes in den Palästen des
Herodion. "Als die jüdische Herrschaft geschlagen
war, übernahmen aufständische Juden die Festung,
nutzten die unterirdischen Zisternen als Geheimgänge
und ließen ihre ganze Wut an dem Grabmal des Herodes
aus, dem Symbol der von ihnen verhassten jüdischen
Herrscherklasse, die mit den Römern
kollaborierte."
Zwischen den Trümmern
lag da ein
Haufen fußballgroße runde Steine. "Das war die
Geheimwaffe der Aufständischen gegen die Römer. Sie
ließen die Steinbälle den Hügel herabrollen und
töteten so die Angreifer", erzählt ein Aufpasser
der National-Parkbehörde, die heute den Herodionhügel
pflegt und bewacht.

Bilderserie
Ulrich W. Sahm
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