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Vom Korrespondenten zur
Leuchtreklame
Eine etwas absurde Karriere
Ein amerikanischer Jude startet eine Kampagne
gegen den Hass, benutzt dafür kabbalistische Ideen, ein Foto von
„Schindlers Liste“ und stößt in Deutschland auf Bedenken.
„I
have a dream“ (Ich habe einen Traum) hatte der amerikanische
Schwarzenführer Martin Luther King in Washington gerufen und
afro-Amerikaner motiviert, gegen die in Amerika übliche Rassentrennung
von Schwarzen und Weißen anzukämpfen. Den mitreißenden Slogan Kings
hat jetzt Marc Daniels für eine eigene Kampagne aufgegriffen, um „Hass
zu jäten“. Daniels, ein amerikanischer Jude, spricht fließend Deutsch.
Er reist oft nach Deutschland und Israel. Sein Großvater hatte einen
Gartenbaubetrieb und ein Gerät erfunden, das Wasser mit Dünger den
Wurzeln eines Baumes zuführt. Der Gartenbauexperte Daniels kennt die
deutschen Hersteller von Schaufeln und Hacken sowie israelische
Experten für Tröpfchenbewässerung. Die führt Pflanzen in exakten Dosen
Wasser zu und bewirkt Wunder.
In Israel hatte Daniels noch andere „Geschäfte“. Er suchte die
spirituellen Wurzeln seines Judentums und fand die Kabbalah, wie sie
Michael Laitman verbreitete. "Ich entdeckte die Brücke zwischen meiner
Familie und meinen kulturellen wie spirituellen Stammbaum.” Er wollte
die Geheimlehren der Kabbalah metaphorisch Gärtnern zugänglich
machen. “Macht Euch die Finger dreckig, um Unkraut auszureissen, und
so symbolisch den Hass in der Welt auszurotten”, formuliert Daniels.
R abbi
Michael Laitman, ein russischer Ingenieur, hat sich mit
kabbalistischen Lehren ein weltweites Millionenheer von Anhängern
geschaffen. Von einem Industriegebäude nahe Tel Aviv aus lenkt Laitman
mit Fernsehstudios und Internetauftritten ein Imperium.
Daniels hatte meine Artikel gelesen und verstanden, dass ich in
jüdischen Angelegenheiten bewandert sei. Wir verabredeten ein Treffen.
Zwei Stunden lang versuchte er erfolglos, mich von Laitmans Lehren zu
überzeugen. Daniels schlug vor, den Rabbi „exklusiv“ zu interviewen.
Nur bat er mich, den Rabbi nicht zum Thema Holocaust zu befragen.
In der Kabbalah-Zentrale saßen Dutzende „Freiwillige“ in
ein-Quadrat-Meter großen Kabuffs bei künstlicher Beleuchtung und
übersetzten die Predigten des Rabbi in alle möglichen Sprachen. Der
Rabbi selber war gekleidet wie ein Rabbi, aber schnell stellte sich
heraus, dass er kein gelernter Rabbiner war. Wie versprochen, befragte
ich ihn nicht zum Holocaust, sondern nur, weshalb er über das Thema
nicht reden wolle. Der vermeintliche Rabbi meinte, dass Massenmorde
und Krieg Teil eines Gottesplanes seien, Hitler also eine „Marionette
Gottes“. Damit war für mich das Interview beendet.
Daniels hielt weiter Kontakt.
Er
hatte die Idee entworfen, Kindern beizubringen, den Hass auszurotten,
so wie man Unkraut jätet. In den USA fand er er Anhänger für ein
Projekt, Kleinkinder Unkraut jäten zu lassen, um so symbolisch den
Hass zu tilgen und sie gleichzeitig der Natur näher zu bringen.
Auch
der Präsident im Weißen Haus wurde aufgefordert, in seinem Garten
Unkraut zu jäten.
Inzwischen hatte Daniels mein Buch „Alltag im gelobten Land“ gelesen
und darin das Kapitel entdeckt, wie ich den mit Dokumenten gefüllten
Koffer des Oskar Schindler vom Tel Aviver Flughafen abhole, während
die Polizei in den Räumen der Stuttgarter Zeitung nach dem Koffer
fahndet. Ehe ich auftragsgemäß den Koffer an die Holocaust
Gedenkstätte Jad Vaschem übergab, lagen die Materialien in meinem
Wohnzimmer, mitsamt Originalen von „Schindlers Liste“. Die sind durch
den gleichnamigen Spielberg-Film weltberühmt geworden. So entstand das
Foto, wie ich „Schindlers Liste“ studiere. Das Bild schmückte
ausgerechnet am 11.9. eine Leuchtreklame auf dem New Yorker Times
Square. So warb Marc Daniels für seine Kampagne „Weed Out Hate“ (Jätet
den Hass). Die geballte Symbolik war Absicht.
Ausgerechnet in Deutschland stieß Daniels auf Widerspruch. Grüne
beklagten, dass Unkraut doch Teil der Natur sei und geschützt werden
müsse. Andere bemängelten, dass Nazis die Juden zum Unkraut erklärt
hätten, das ausgerottet werden müsse. Daniels, der amerikanische Jude
und Kenner der deutschen Mentalität, hätte nicht damit gerechnet, dass
seine gut gemeinte Kampagne gegen Hass ausgerechnet bei deutschen
Naturfreunden und Geschichtskennern auf Bedenken stoßen würde.
(C) Ulrich W. Sahm, 30. September 2010
http://www.hagalil.com/01/de/Israel.php?itemid=3077
http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Weltmacht-Kabbalah-article40502.html
http://www.prnewswire.com/news-releases/journalist-and-schindlers-list-facilitator-ulrich-sahm-endorses-weed-out-hate-initiative-102679589.html |